alte Liebesgedichte

Liebe wird seit Jahrtausenden in kunstvoller Form zu Papier gebracht. Schon im alten Testament gab es erste Beispiele hierfür. Später im Mittelalter waren es die Minnesänger, die ihre Liebesgeständnisse sangen. Im Laufe der Zeit zeigte die Liebeslyrik viele Gesichter - ob in Form von Liebesbriefen, Liebesliedern oder Liebesgedichten. Alte Liebesgedichte lesen sich heute häufig etwas "angestaubt". Dabei sind die Werke von damals keineswegs weniger romantisch. Im Gegenteil. Mit Feder und Tinte zu Papier gebracht, können sie noch immer einen wahren Zauber der Poesie versprühen und sind bestens dafür geeignet, seinem Schatz eine ganz besondere Liebeserklärung zu machen. Die Vergangenheit brachte viele große Poeten hervor, die ihre Gefühle in Liebesgedichten verarbeiteten. Einige ihrer Werke haben wir im Folgenden für Sie zusammengetragen.

An die Liebe
Liebe! Allerliebste Liebe,
Segne mich mit deinem Triebe!
Laß mich deinen Reiz empfinden,
Laß mich deine Gluth entzünden;
Laß mir hübsch durch dein Genießen
Zeit und Stunden schneller fließen!

Laß mir’s an der Müh’, zu wählen,
Aber nie an Schönen fehlen;
Und damit auch viel Beschwerden
Durch ein Mittel minder werden,
Laß mir künftig nur von allen
Eine schön seyn und gefallen!

Lehre sie, mich ganz zu kennen;
Klug zu frieren, klug zu brennen;
Lehre, witzig abzuschlagen,
Und nur reizend "Ja!" zu sagen.
Lehre sie, aus Wort und Werken
Meinen Wunsch und Willen merken!

Lehr’ sie aber: Wunsch und Willen
Nicht zur Unzeit zu erfüllen,
Daß sie sich erst artig schäme,
Und sich nicht zu bald bequeme!
Lehre sie die süßen Mienen,
Die der Lust zum Vortheil dienen;
Lehre alle Fröhlichkeiten
Und dabei, was sie bedeuten!

Laß sie stets in Unschuld prangen,
Nie zu viel von mir verlangen;
Auch daß sie’s verständig klage,
Wenn ich ihr zu viel versage! -
Lehre, wie man nie veralte,
Wie man Reiz und Werth behalte,
Wenn auch einst auf Brust und Wangen
Aller Rosen Schmuck vergangen!

Lehr’ sie, wenn wir uns vereinen
Treu zu seyn und treu zu scheinen,
Daß sie mich mit nichts betrübe
Und mich immer stärker liebe!
Lehr’ auch mich durch deine Lehren,
Solchen Engel recht zu ehren,
Daß er, wenn ich ihn vergnüge,
Keine Lust zum Wechsel kriege!

Autor: Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Die Liebe
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Sorgenlos, wie Kinder,
Führt sie uns durchs Leben.
Unser ganzes Leben
Flieht mit ihr geschwinder,
Als uns ohne Liebe
Sonst ein Tag verging!
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Muth gibt sie zur Arbeit,
Hilft sie uns verrichten.
Eine Blumenkette
Werden unsre Pflichten,
Und am Thron der Liebe
Hängt der Kette Ring.
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!
Unsre Seele hebet
Sich auf ihrem Flügel,
Unsre Seele schwebet,
Neu von ihr belebet,
Ueber Thal und Hügel,
Gleich dem Schmetterling.
Ach, was ist die Liebe
Für ein süßes Ding!

Autor: Friedrich Wilhelm Gotter

Liebe
Nun stehn die Hirsche still auf dunklen Schneisen,
die Löwen stehen still im Felsentor;
nun schweigen Nachtigallen ihrer Weisen
und Sterne, Sterne hören auf zu kreisen
und aus den Sonnen tritt kein Tag hervor.

In gleiche Nacht sind wir nun eingetaucht,
in gleichen Tag und wieder Tag und Nacht,
ein gleiches Sterben hat uns angehaucht,
zwei Leben sind im Augenblick verrauscht
und gleiches Wissen hat uns stumm gemacht.

Es ist als ob die Welt sanft von uns wich,
die Löwen stehen still im Felsentor
und Sterne, Sterne - Mond und Stern verblich
und alles stark, als du und ich
und ich und du sich Herz in Herz verlor.

Autor: Rudolf G. Binding

Liebe, Liebe, wo bist du...
Liebe, Liebe, wo bist du?
Wo bist du, die ich lieben möchte.
Wo bist du, bei der ich ausruhn möchte.
Vielleicht sitzest du jetzt
Auf deines Bettes Rand,
Und denkst daran,
Daß du mich nicht finden kannst,
Wie ich dich nicht finden kann.
Ich steh am Fenster, kratz mit der Hand
Das Eis von den Scheiben.
Seh ich hindurch,
Seh ich nichts als dunkele Nacht.
Dreh ich mich um,
Flackert das Licht hin und her
An meinem Bette,
Wie ein Totenlicht an der letzten Stätte.
Ich will mich jetzt schlafen legen,
Verschlafen die Winternacht.
Morgen kommt wieder ein Tag.
Ich werde dich wieder nicht finden.
Ach, vielleicht gehst du mir
Morgen vorüber.
Und ich kenne dich nicht.

Autor: Georg Heym

Geliebte!
Geliebte, wir haben in uns die Sehnsucht,
jahrelang haben wir uns gegenseitig gesucht,
jetzt haben wir uns endlich gefunden.
Für uns existieren nicht mehr die Stunden.

Geliebte, ich denke an dich jederzeit.
Du bist von mir nicht so weit.
Meine Gedanken sind immer bei dir.
Du bist und bleibst immer in mir.

Geliebte, du bist der Sinn des Lebens.
Ohne dich ist alles vergebens.
Lass uns immer zusammen sein,
denn dieser Welt ist ohne dich gemein.

Autor: Önder Demir

Willkommen und Abschied (Spätere Fassung, ca. 1785)
Es schlug mein Herz, geschwind, zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!


Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

faust- der augenblick
werd ich zum augenblicke sagen-
verweile doch du bist so schön..
dann wirst du mich in fesseln schlagen-
will ich gern zu grunde gehn... die uhr mag stehen, der zeiger fallen, dann is die zeit für mich vorbei.

Autor: *skyler*

Du mein Engel
Du mein Engel ,
der schönste vom Himmel.
Du mein Stern,
den habe ich gern.
Du mein Licht,
in diesem Gedicht
Ich liebe Dich!

Autor: MaSo

Es sind nur drei Worte
Du bist so nah
und doch so fern,
leider weißt du's nicht,
aber ich hab dich gern.
Du bist zwar da
aber nimmst mich nicht wahr.
Soll ich es wagen,
dir meine Gefühle zu sagen?
Leicht ist es nicht,
deshalb schreib' ich ein Gedicht.
Es sind nur drei Worte:
ICH LIEBE DICH!

Autor: franzi

Gedenke Dein
"Gedenke Dein"
"Ich denke dein…"
Letztes Flüstern in Goethes Sterben,
Christiana, Gedenken an langer Verbundenheit.
Letzter Hauch wehmütig, lächelnd Augen,
Doch voll, nicht schwindend - tiefer Innigkeit.

Doch ich, Du Liebe in der Gegenwärtigkeit,
Ich will nur mit tausend Fühlern,
Tastend Dich umarmen; gefolgt von
Der sehnend Lippen, Hände Zärtlichkeit.
Langsam wird wohl kommen, einmal
Der Gewohnheit Peinlichkeit.

Doch meine Augen liebevoll Dich umarmen
Bis der Trennung kommend Zeit.
"Gedenke Dein", wird gewiss
In meinen letzten Stunden,
Du mein Glück und Leiden, die
Erinnerung, Begleitung sein!

Autor: Reinhard Blohm-Genthin

Hinweis:

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